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Winterreifen selbst wechseln: So gelingt der Tausch in der Einfahrt

Winterreifen selbst wechseln: Mit dem richtigen Werkzeug, sicherem Stand und korrektem Drehmoment gelingt der Radwechsel zu Hause Schritt für Schritt.

Winterreifen2 selbst zu wechseln gelingt mit Wagenheber, passendem Radkreuz und Drehmomentschlüssel. Lösen Sie die Radschrauben, solange das Auto noch steht, heben Sie es am vorgesehenen Aufnahmepunkt an und tauschen Sie Rad für Rad. Ziehen Sie die Schrauben über Kreuz mit dem Drehmoment aus dem Bordbuch fest. Nach einer kurzen Strecke ziehen Sie sie nach.

Prüfen Sie zuerst die Winterreifen

Der erste Morgen mit Reif auf der Scheibe. Im Keller stehen vier Räder. Der Termin in der Werkstatt ist erst in drei Wochen frei.

Doch worauf kommt es beim Wechsel in Eigenregie an? Der Tausch selbst erfordert kein Spezialwissen. Fehler passieren allerdings eher bei der Vorbereitung als beim Schrauben.

Prüfen Sie die Reifen, bevor Sie Werkzeug holen. Ein abgefahrener oder beschädigter Reifen gehört nicht wieder ans Auto. Drei Punkte sind entscheidend:

  • Profiltiefe: Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter. Fachleute raten bei Winterreifen zu deutlich mehr: Der ADAC empfiehlt aus Sicherheitsgründen mindestens vier Millimeter [1]. Eine Profiltiefenlehre aus dem Baumarkt (oder der Messsteg vieler Reifen) zeigt den Wert.
  • Alter: Die sogenannte DOT-Nummer an der Reifenflanke verrät das Herstellungsdatum. Die letzten vier Ziffern stehen für Kalenderwoche und Jahr. Mit den Jahren härtet die Gummimischung aus, und der Grip auf Schnee lässt nach.
  • Kennzeichnung: Als Winterreifen gilt rechtlich ein Reifen mit Alpine-Symbol, also dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Eine reine M+S-Kennzeichnung (Matsch und Schnee) reicht nicht mehr, denn die Übergangsfrist für vor dem 1. Januar 2018 hergestellte M+S-Reifen endete am 30. September 2024 [2].

Suchen Sie die Flanken zudem nach Beulen, Rissen und eingefahrenen Fremdkörpern ab. Ein Schaden an der Flanke lässt sich in der Regel nicht reparieren.

Legen Sie das Werkzeug bereit

Legen Sie alles griffbereit hin, bevor das Auto in der Luft ist. Wer mitten im Wechsel den Adapter sucht, lässt das Fahrzeug unnötig lange auf dem Wagenheber stehen.

Das gehört zur Grundausstattung:

  • Wagenheber (der Bordwagenheber reicht, ein Rangierwagenheber ist bequemer)
  • Radkreuz oder Radschlüssel in passender Größe
  • Drehmomentschlüssel mit passender Nuss
  • Unterlegkeil
  • Adapter für Felgenschlösser, falls Ihr Auto diebstahlgesicherte Schrauben hat
  • Arbeitshandschuhe, Drahtbürste, Kreide

Der Drehmomentschlüssel ist der Punkt, an dem viele sparen. Dabei regelt genau er, ob die Schrauben fest genug sitzen, ohne überdehnt zu werden. Das richtige Anzugsdrehmoment steht im Bordbuch oder in den Unterlagen des Felgenherstellers.

Sichern Sie Auto und Arbeitsplatz

Stellen Sie das Auto auf ebenen, festen Untergrund. Auf Kies, Rasen oder einer Steigung kann der Wagenheber wegrutschen oder einsinken.

Ziehen Sie die Handbremse an und legen Sie einen Gang ein (bei Automatik die Stellung P). Legen Sie zusätzlich einen Keil unter das Rad, das diagonal gegenüber dem anzuhebenden Rad liegt, und zwar bevor Sie den Wagenheber ansetzen. Der Grund: Die Handbremse wirkt meist nur auf eine Achse, in der Regel die hintere. Schrauben Sie in einer Tiefgarage oder auf einem gemieteten Stellplatz? Dann klären Sie vorher, ob die Hausordnung das erlaubt.

Lösen, anheben, tauschen: der eigentliche Wechsel

Lösen Sie die Radschrauben an, solange alle vier Räder noch auf dem Boden stehen. Eine halbe bis ganze Umdrehung genügt. In der Luft würde sich das Rad sonst einfach mitdrehen.

Setzen Sie den Wagenheber dann an den Aufnahmepunkt, den der Hersteller vorsieht. Diese Stellen sind am Schweller meist mit Kerben oder Markierungen gekennzeichnet; das Bordbuch zeigt sie genau. Ein falscher Ansatzpunkt kann das Blech verbeulen. Heben Sie das Auto nur so weit an, bis das Rad frei dreht.

Legen Sie sich nie unter ein Auto, das nur auf dem Wagenheber steht. Rutscht oder sinkt der Heber ab, fällt das Fahrzeug. Für Arbeiten unter dem Fahrzeug braucht es Unterstellböcke.

Drehen Sie die Schrauben nun ganz heraus und nehmen Sie das Rad ab. Reinigen Sie die Anlagefläche an der Radnabe mit der Drahtbürste. Rost und Schmutz an dieser Stelle können verhindern, dass das neue Rad plan aufliegt.

Setzen Sie das Winterrad auf und achten Sie dabei auf zwei Dinge:

  • Laufrichtung: Viele Winterreifen sind laufrichtungsgebunden. Ein Pfeil auf der Flanke zeigt, wie herum sich der Reifen bei Vorwärtsfahrt drehen muss.
  • Schrauben: Alu- und Stahlfelgen brauchen unter Umständen unterschiedliche Schrauben, etwa mit anderer Länge oder anderem Kopf (Kegel- oder Kugelbund). Verwenden Sie die Schrauben, die zur jeweiligen Felge gehören.

Drehen Sie die Schrauben zunächst von Hand ein und ziehen Sie sie über Kreuz leicht an. Lassen Sie das Auto ab. Erst wenn das Rad wieder auf dem Boden steht, ziehen Sie mit dem Drehmomentschlüssel fest, ebenfalls über Kreuz. So wird die Felge gleichmäßig angedrückt.

Prüfen Sie Luftdruck und ziehen Sie nach

Kontrollieren Sie nach dem Wechsel den Reifendruck. Eingelagerte Reifen verlieren über den Sommer Luft. Die Sollwerte stehen meist im Tankdeckel, an der B-Säule oder im Bordbuch.

Viele neuere Autos haben zudem ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS), das den Druck während der Fahrt überwacht. Je nach Bauart muss das System nach dem Radwechsel neu angelernt werden. Wie das funktioniert, beschreibt das Bordbuch.

Ziehen Sie die Schrauben nach etwa 50 gefahrenen Kilometern noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel nach [3]. Vor allem bei Alufelgen können sich die Schrauben anfangs leicht setzen.

Lagern Sie die Sommerreifen richtig

Markieren Sie die Sommerräder vor dem Einlagern mit Kreide, etwa „VL“ für vorne links. Beim nächsten Wechsel wissen Sie dann, welches Rad wo lief.

Lagern Sie Räder mit Felge liegend gestapelt oder an einem Wandhalter hängend. Reifen ohne Felge stehen dagegen aufrecht und sollten gelegentlich gedreht werden. Der Lagerort sollte kühl, trocken und dunkel sein. Licht, Öl und Lösungsmittel setzen dem Gummi zu.

Ein Gang in die Werkstatt bleibt trotzdem sinnvoll, wenn Sie eine Unwucht vermuten, die Reifen neu auf die Felge gezogen werden müssen oder sich eine Schraube nicht lösen lässt. Prüfen Sie für den reinen Tausch kompletter Räder am besten schon vor dem ersten Frost, ob Werkzeug und Adapter vollständig sind.

Häufige Fragen

Wann muss ich auf Winterreifen wechseln?

In Deutschland gibt es keinen festen Stichtag, sondern eine situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch sowie Eis- oder Reifglätte dürfen Fahrzeuge nur mit geeigneten Winterreifen unterwegs sein [4]..

Kann ich die Schrauben der Sommerfelgen für die Winterräder weiterverwenden?

Nur, wenn beide Felgen dieselben Schrauben vorsehen. Bei unterschiedlichen Felgentypen (etwa Alu im Sommer, Stahl im Winter) können Länge oder Kopfform abweichen. Im Zweifel klärt das die Fahrzeug- oder Felgendokumentation.

Sollte ich die Räder zwischen Vorder- und Hinterachse tauschen?

Das kann sinnvoll sein, weil sich die Reifen je nach Antrieb unterschiedlich stark abnutzen. Der ADAC rät, die Reifen mit dem besseren Profil nach hinten zu montieren, weil ungleiche Profiltiefen die Fahrstabilität gefährden [5]. Achten Sie bei laufrichtungsgebundenen Reifen darauf, die Seite nicht zu wechseln.

Was tun, wenn sich eine Radschraube nicht lösen lässt?

Prüfen Sie zuerst die Drehrichtung: Gelöst wird gegen den Uhrzeigersinn. Ein längerer Hebel am Radkreuz hilft oft. Sitzt die Schraube weiter fest, sollte eine Werkstatt übernehmen, bevor Kopf oder Gewinde Schaden nehmen.

Quellen

[1] Winterreifenpflicht in Deutschland: Wann muss ich Winterreifen aufziehen? (ADAC)

[2] Perfekter Halt bei Eis und Schnee: Jetzt auf Winterreifen wechseln (ADAC Südbayern)

[3] Schritt-für-Schritt-Anleitung: Reifen oder Räder selbst wechseln (ADAC)

[4] Zeit für Winterreifen: Warum Autofahrer schon jetzt an den Reifenwechsel denken sollten (ADAC Südbayern)

[5] Reifenwechsel: Bessere Reifen vorn oder hinten? (ADAC)

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